Warum ist es am Rhein so schön.......

*Text Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten

Der Rhein entspringt in den Alpen und mündet nach 1.320 km bei Hoek van Holland in die Nordsee. In seinem Einzugsgebiet leben heute nahezu 50 Millionen Einwohner. 885 km des Stroms sind schiffbar. In NRW hat der Rhein eine Länge von 220 km bei einer durchschnittlichen Breite von 300 Metern.

Der Rhein bildet das Rückgrat des mitteleuropäischen Wasserstraßen-netzes. Mit dem Schiff ist es möglich, vom Rhein über das Kanalsystem nach Berlin, ins Schwarze Meer und sogar ins Mittelmeer zu fahren. Einschließlich seiner Altarme und Auen ist der Rhein das wichtigste und größte Ökosystem für die in und am Wasser lebende Flora und Fauna in Nordrhein-Westfalen. Neben dieser Funktion dient er als:

  • Wasserstraße von internationaler Bedeutung
  • Wasserlieferant für Millionen Menschen
  • Vorflut für meist biologisch gereinigte Abwässer
  • Freizeit- und Erholungsraum
  • Erlebnisraum mit vielen kulturellen Veranstaltungen (Rhein in Flammen)

Rheinfischerei in früheren Zeiten

Der Strom bildete über Jahrhunderte die Grundlage des Broterwerbs für Fischerei und Handel. Die gewerbliche oder im Nebenberuf ausgeübte Fischerei gehörte zum alltäglichen Bild. Gefischt wurde mit Zug-, Grund- und Treiibnetzen, Aalreusen und Scherhamen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Lachs "Brotfisch" der Berufsfischer. Er wurde bei seinen stromaufwärts gerichteten Wanderungen mit großen Zugnetzen gefangen. Im Laufe der Zeit wurden weitere, ganz spezielle Fanggeräte entwickelt, wie z.B. die "Salmwaage" oder "Salmwippe". Der stärkste, mit der Salmwippe gefangene Lachs (31,5 kg), ging 1918 bei Obermörmter bei Rees ins Netz.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Aal zum Brotfisch. Neben den traditionellen Fangmethoden mit Reusen und Aalschnüren wurde von Holland aus der Fang mit dem Aalschocker übernommen. Neben dem Aal waren auch die Weißfische Brasse, Rotauge, Döbel und Hasel für die Fischerei von Bedeutung. Sie wurden in den Düsseldorfer Gaststätten als Backfisch gerne zu einem Glas Bier verzehrt.

Vom "stinkenden Rhein" zum wieder auferstandenen Fischgewässer.

In der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde die Abwässerklärung vernachlässigt. Aus einem relativ sauberen Fluss wurde ein Abwasserkanal. Zwischen 1950 und 1953 ging die Fangmenge des Salms von 4.360 kg auf 30 kg zurück. Den Tiefpunkt der Rheinverschmutzung erreichte die Verseuchung des Flusses durch das Schädlingsbekämpfungsmittel "Thiodan", das 1969 den Tod von 40 Millionen Fischen zur Folge hatte.

Ein ökologischer Umdenkungsprozess führte zum Bau moderner Kläranlagen und damit zu einer spürbaren Verbesserung der Gewässergüte des Rheins. Da die Rheinfische teilweise mit Rückständen (Schwermetalle, Pestizide) belastet waren, war an eine Verzehrung nicht zu denken. Der Brand beim Baseler Chemiekonzern Sandoz und die Einleitung des mit Chemikalien belasteten Löschwassers führte 1986 zu einer weiteren ökologischen Katastrophe, die im Oberrhein ein großes Fischsterben verursachte. Ein von den Rheinanliegerstaaten verabschiedetes Programm zur Verbesserung des Ökosystems Rhein brachte die Wende. Es strebt die Verbesserung der Wasserqualität und die Renaturierung des Rheins an. Die Rückkehr früher vorhandener Wanderfische wie Lachs, Meerforelle, Maifisch und Stör dient dafür als Beweis. Heute leben im Rhein wieder 43 verschiedene Arten an Fischen und Rundmäulern sowie zwei höhere Krebsarten.

Der (längst nicht abgeschlossene) Heilungsprozess des Rheins zeigt, dass es grundsätzlich möglich ist, auch denaturierte Flüsse langfristig erfolgreich zu sanieren. Dabei dürfen keine Kosten und Mühen gescheut werden. Denn Wasser ist das Lebensmittel Nr. 1, und Fische zählen immer noch zu den besten Bioindikatoren zur Beurteilung des Ökologischen Zustandes von Gewässern. Endziel könnte ein Rhein sein, in dem alle früher vorhandenen Fischarten wieder vertreten sind und die Menschen eine Natur wieder finden, in der sie verantwortungsvoll einen Teil ihrer Freizeit verbringen können.